Merle

Zwei schöne Eltern. Das ist genau das Problem.

Merle ist eine Zeichnung, kein Defekt. Ein einzelner Merle-Hund ist ein gesunder Hund. Gefährlich wird erst eine bestimmte Verpaarung — und ausgerechnet die ist die verlockendste, wenn jemand auf die Farbe züchtet.

Blue-Merle Australian Shepherd steht im Profil vor blaugrauem Hintergrund

Was Merle ist

Eine Farbe, die aufhellt

Das Merle-Gen hellt das Fell stellenweise auf. So entsteht die marmorierte Zeichnung, die als „Blue Merle“ verkauft wird. Ein Hund, der das Gen einmal trägt, ist davon nicht krank. Er sieht nur anders aus.

Genetisch schreibt man das m/M: eine unveränderte Anlage, eine Merle-Anlage. Diese Hunde dürfen in die Zucht. Das Qualzucht-Präventionsprogramm erlaubt sie ausdrücklich.

Das Problem ist nicht der Merle-Hund. Das Problem entsteht erst, wenn auch das zweite Elterntier ein Merle ist.

Vier mögliche Welpen

Warum es auf beide Elterntiere ankommt

Jeder Welpe bekommt von jedem Elternteil eine Anlage. Trägt nur ein Elternteil das Merle-Gen, kann kein Welpe es doppelt bekommen. Tragen es beide, ist rechnerisch jeder vierte Welpe ein Doppelmerle.

m/M × m/M Verboten
m/m kein Merle
m/M Merle
m/M Merle
M/M Doppelmerle

Das Präventionsprogramm untersagt diese Verpaarung ausdrücklich — ebenso wie jedes Tier mit M/M in der Zucht.

m/M × m/m Erlaubt
m/m kein Merle
m/M Merle
m/m kein Merle
m/M Merle

Ein Elterntier mit Merle, eines ohne. Es kann kein Doppelmerle entstehen, und die Zeichnung bleibt der Rasse erhalten.

Beide Würfe sehen im Körbchen gleich aus. Der Unterschied liegt davor.

Fünf schlafende Welpen mit unterschiedlicher Zeichnung nebeneinander auf einer hellen Decke
Aus einem Wurf: gesprenkelt, dunkel, braun, überwiegend weiß. Die Zeichnung sagt nichts darüber, welche Anlagen dahinterstehen.

Was man nicht sieht

Am Welpen ist es nicht ablesbar

Ein Welpe zeigt Ihnen sein Fell. Er zeigt Ihnen nicht, was seine Eltern vererbt haben, und er zeigt Ihnen erst recht nicht, ob vor der Verpaarung jemand nachgesehen hat.

Deshalb verlangt das Qualzucht-Präventionsprogramm den Gentest für beide Elterntiere, sobald eines von beiden die Merle-Zeichnung trägt. Nicht für das auffällige allein — für beide.

Nicht das Auge entscheidet. Der Test entscheidet.

Tierärztin untersucht mit einem Otoskop das Ohr eines Blue-Merle-Hundes auf dem Behandlungstisch

Das Gehör

Bei manchen Rassen wird zusätzlich gemessen

Zwischen dem Merle-Gen und dem Auftreten von Taubheit besteht ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang. Für Australian Shepherd und Border Collie schreibt das Präventionsprogramm deshalb eine audiometrische Untersuchung vor: den BAER-Test.

Das Ergebnis ist keine Formsache: Nur ein beidseitig hörender Hund wird zur Zucht zugelassen. Ein ein- oder beidseitig tauber Hund ist ausgeschlossen.

Diese Messung ist rassebezogen vorgeschrieben. Der Gentest auf den Merle-Faktor gilt dagegen für alle Rassen.

Keine Rassenfrage

Merle ist kein Rassemerkmal, sondern ein Gen

Es tritt bei ganz verschiedenen Hunden auf, und die Grundregel ist überall dieselbe: Merle mit Merle ist untersagt, ein Tier mit doppelter Anlage kommt nicht in die Zucht.

Blue-Merle Border Collie sitzt vor hellem Hintergrund
Border Collie Merle ist im Rasseteil ausdrücklich geregelt. Zusätzlich zum Gentest ist hier der BAER-Test auf das Gehör Pflicht.
Dackel mit Merle-Zeichnung steht im Profil vor hellem Hintergrund
Dackel Beim Dackel heißt Merle „Tiger“. Die Regel kommt aus dem Basisprogramm und gilt unverändert.
Chihuahua mit Merle-Zeichnung steht vor hellem Hintergrund
Chihuahua Auch ohne eigenen Rasseeintrag gilt hier die Grundregel des Basisprogramms: M/M ist ausgeschlossen.

Nebenan

Dieselbe Logik gilt für „Blau“

Neben Merle wird auch die Farbverdünnung als Modefarbe verkauft, beim Dackel „Blau“ genannt. Das Basisprogramm behandelt sie nach demselben Muster: Ein Träger ist zugelassen, die Verpaarung d/d × d/d ist untersagt.

Dazu kommt eine Regel, die weiter greift als jede Tabelle: Tritt bei einem Nachkommen die Fellerkrankung CDA auf, ist die betreffende Verpaarung untersagt, unabhängig davon, was der Test vorher sagte.

Für den Käufer

Sie müssen das nicht selbst beurteilen

Kein Käufer kann einem acht Wochen alten Welpen ansehen, welche Anlagen seine Eltern hatten. Sie müssen es auch nicht — Sie müssen nur nachsehen können, ob es jemand vor Ihnen getan hat.

Vor der Verpaarung klärt ZEUS, ob zwei Merle-Anlagen zusammenkommen: ein begleiteter, geprüfter Ablauf für Züchterinnen und Züchter, an dessen Ende ein Zertifikat steht, das sich nachprüfen lässt.

  1. Sie fragen den Züchter nach dem Qualzuchtpräventions­zertifikat Ihres Welpen — jeder Welpe hat sein eigenes. Mehr brauchen Sie nicht: Es wird nur ausgestellt, wenn beide Elterntiere zuchttauglich waren und die Verpaarung erlaubt ist — zwei Merle-Träger sind sie damit nie.
  2. Sie tippen den Kontrollcode von der Urkunde auf der ZEUS-Website ein. Der QR-Code daneben ist nur die Abkürzung — die Nummer ist der Weg, den niemand umleiten kann.
  3. Sie sehen, ob das Zertifikat gültig ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.
Zertifikat prüfen
ZEUS-Siegel Qualzuchtfrei — Healthy Genetics Certified
Dieses Siegel trägt der Welpe — und es gibt es nur, wenn die Verpaarung zulässig war.

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Dass zwei gesund aussehende Merle-Elterntiere zusammen das Problem sind, erfährt kaum jemand rechtzeitig. Geben Sie diese Seite weiter, bevor eine Verpaarung oder ein Kauf entschieden ist.